Liebe Pfarrgemeinden von Roppen, Mils bei Imst, Karres und Karrösten!
Es gibt Abschiede, für die man lange nach den richtigen Worten sucht. Dieser Abschied gehört für mich dazu. Vierzehn gemeinsame Jahre lassen sich nicht in wenige Sätze fassen. Als ich im September 2012 meinen Dienst im Seelsorgeraum Inntal begonnen habe, wusste ich nicht, welchen Weg Gott mit uns führen würde. Heute darf ich dankbar sagen: Aus den vier Pfarren, die mir anvertraut waren, ist für mich Heimat geworden. Dafür bin ich Gott und euch von Herzen dankbar.
Vierzehn Jahre bestehen aus unzähligen Erinnerungen: aus gemeinsamen Eucharistiefeiern und Taufen, Erstkommunionen und Firmungen, Hochzeiten und Beerdigungen, Wallfahrten, Krankenbesuchen und vielen persönlichen Begegnungen. Es waren Jahre großer Freude, aber auch Stunden, in denen wir miteinander gehofft, gebetet und manchmal geweint haben.
Gemeinsam durften wir Kirchen und Pfarrhäuser renovieren, Plätze gestalten und manches Schöne entstehen lassen. Noch dankbarer bin ich dafür, dass wir zugleich an etwas bauen durften, das kein Mensch allein schaffen kann: an einer lebendigen Kirche, an einer Gemeinschaft, die miteinander glaubt, hofft und betet. Das ist das Wertvollste, was bleiben wird.
Ein Priester hinterlässt letztlich nicht sich selbst. Wenn in diesen Jahren etwas Gutes gewachsen ist, dann deshalb, weil Christus selbst unter uns gewirkt hat. Er allein bleibt. Weil er der eigentliche Hirte seiner Kirche ist, gibt es für einen Priester nichts Schöneres, als das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu feiern und Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten.
Von Herzen danke ich allen, die Verantwortung übernommen und das Leben unserer Pfarrgemeinden mitgetragen haben. Ohne euren oft stillen und treuen Dienst wäre vieles nicht möglich gewesen. Wenn ich in diesen Jahren jemanden enttäuscht oder verletzt habe, dann bitte ich ehrlich um Verzeihung.
Ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir die Kinder. Der Religionsunterricht, die Erstkommunion- und Firmvorbereitung, die Ministrantenstunden und die vielen Kindergottesdienste gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Liebe Kinder, bewahrt euch die Freude am Glauben und hört nie auf, Jesus immer besser kennenzulernen und ihn zu lieben. Er wird euch niemals verlassen. Er ist treu.
Ab September werde ich als Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke Österreich einen neuen Dienst im Auftrag der Weltkirche übernehmen. Ich freue mich auf diese Aufgabe. Gleichzeitig fällt mir der Abschied von euch und von Tirol nicht leicht.
Auch wenn mich mein Weg künftig nach Wien führt, werde ich euch nicht vergessen. Vieles von dem, was wir miteinander erlebt haben, wird mich weiter begleiten. Ich werde euch im Gebet mittragen und Tag für Tag am Altar mit euch verbunden sein. Ich hoffe, dass auch ich einen Platz in eurem Gebet behalten darf. Und wenn euch euer Weg einmal nach Wien führt, dann schaut bei Missio vorbei. Ich freue mich über jedes Wiedersehen.
Es ist mir ein Anliegen, euch zu sagen, dass sich unser Bischof um eine rasche Nachfolge bemüht. Ich bin zuversichtlich, dass der Herr seine Kirche auch hier weiterhin gut führen wird.
Zum Abschied möchte ich euch nur einen Wunsch mitgeben: Bleibt dem Herrn treu. Sucht seine Nähe, besonders in der Eucharistie. Dort schenkt er sich uns immer neu und macht uns zu einer Gemeinschaft. Wo die Eucharistie Mitte bleibt, dort verliert die Kirche ihre Hoffnung nicht.
Ich glaube daran, dass kein Gebet, keine gemeinsam gefeierte Eucharistie und keine Liebe, die wir einander in Christus geschenkt haben, verloren geht. Alles wird in Gott bewahrt. Darum ist dieser Abschied nicht nur ein Ende, sondern auch eine Verheißung. „Nur Mut, kleine Seele!“
Vergelt's Gott für euer Vertrauen, eure Freundschaft, euer Glaubenszeugnis und für alles Gute, das ich durch euch erfahren durfte.
Gott segne euch und eure Familien!
Pfarrer Johannes Laichner

